Das kleine Paradies des Künstlers Klaus Augustin

Altes zu Neuem
Das kleine Paradies des Künstlers Klaus Augustin

Klaus Augustin

©2015 – Marschland Media & Arts

Wer vormittags am Meldorfer Hafen unterwegs ist, hat gute Chancen, ihm zu begegnen: Bei jedem Wetter macht Klaus Augustin sich auf den Weg an die Nordseeküste, um mit seinen Hunden spazierenzugehen und dabei Müll zu sammeln. „Ich bin ja tierlieb“, sagt er dazu mit einem Augenzwinkern – aber das ist nicht die ganze Wahrheit, denn der gelernte Tischler, Künstler und Musiker denkt bei seinen morgendlichen Ausflügen nicht nur an die Umwelt.

Klaus Augustin geht mit offenen Augen durch die Welt. Er sieht dabei Dinge, die den meisten Menschen verborgen bleiben. Wo andere einen Haufen Müll sehen, entdeckt er immer wieder besondere Gegenstände, die eine Geschichte zu erzählen haben, oder die er einfach gerade gut gebrauchen kann. Das kann eine angespülte Plastikplane sein, die sich perfekt zum Abdecken des Feuerholzes im Garten eignet. Oder eine Kokosnuss, die eine lange Reise durch den Ozean hinter sich gehabt haben mag, bis sie endlich ihm vor die Füße schwamm.

Sein Hof in Sarzbüttel ist eine Fundgrube solcher Dinge. Eine Fundgrube, keineswegs ein Sammelsurium. Denn mit künstlerischem Auge fügt Klaus Augustin all die kleinen und großen Schätze zu einem stimmigen Ganzen zusammen, formt aus ihnen Dekoratives und Nützliches, Obstschalen, Brotkästen und zeitlose Möbelstücke, die – dezent eingesetzt – das Auge angenehm ablenken. „Altes zu Neuem“ ist auch der passende Titel seiner aktuellen Ausstellung.

Was für seine Kunstobjekte im Kleinen gilt, funktioniert ebensogut im Großen, wenn man Haus und Hof als Ganzes betrachtet. Vor 15 Jahren zog es den jungen Hamburger Tischler aufs Land. Er erwarb den ehemaligen Hof einer Zimmererfamilie, die das ganze Grundstück noch als Selbstversorger bewirtschaftet hatte. Im Erdgeschoss des Hauses richtete er Wohnzimmer, Arbeitszimmer seiner Frau und die offen gestaltete Küche mit einem großzügigen Kochbereich ein, denn Klaus Augustin ist leidenschaftlicher Koch. In der Tenne entstand eine für Besucher zugängliche Hofgalerie, dahinter, in den ehemaligen Stallungen, befindet sich heute seine Werkstatt. Wo immer es passte, erhielt er das Alte, die robusten Steinböden in der Küche und zur Tenne hin etwa. An anderer Stelle fügte er Neues ein, wie die dänischen Holzfenster im Wohnzimmer oder Stuckelemente am Treppenaufgang zum Obergeschoss.

Oben, im ehemaligen Speicher, entstanden die Wohn- und Schlafräume sowie ein großer, lichtdurchfluteter Raum, der für Konzerte und Veranstaltungen dient. Leicht, fast schwebend trennen alte Hamburger Schiebetüren den privaten und offenen Bereich voneinander. Die Wände sind unten wie oben in weiß gehalten – neutral, um keinen unnötigen Kontrast zu den Kunstobjekten und besonderen Möbelstücken zu bilden.

„Altes zu Neuem“ gilt auch für die Einrichtung im Obergeschoss, teils vom Sperrmüll gerettet und aufbereitet, teils aus alten Materialien neu geschaffen. Für seinen schweren Esstisch beispielsweise hat Klaus Augustin sich alte Duckdalben, die einst als Anlegepfähle für Schiffe in den Hafengrund gerammt wurden, mit entsprechenden Maschinen aufschneiden lassen. „Schlicht, formschön und zeitlos“, fasst Klaus Augustin seine Gestaltungsabsicht zusammen.

Klaus Augustin 1

©2015 – Marschland Media & Arts

Draußen, um das Wohngebäude herum, hat Klaus Augustin sich ein kleines Paradies mit großen Freiräumen für die Natur geschaffen. Dabei hat er das Grundstück unterteilt in die „Meerseite“ mit Steinstrand im Westen und eine üppig grüne „Landseite“ mit Kräutergarten, Wohlfühlecken und einem dichten Wäldchen, das zur Zeit der Vorbesitzer noch eine niedrige Tannenpflanzung für den jährlichen Weihnachtsbaumverkauf war. Inzwischen sind die Nadelbäume groß geworden und bieten Rückzugsraum und Nistplatz für viele Vögel und sogar ein Spechtpärchen, die stets für ein lustiges Treiben an der Futterstelle vor dem Küchenfenster sorgen.

Im ehemaligen Schuppen entstanden die Garage sowie eine kleine aber vollwertige Wohnung für Gäste des Hauses. Selbst hier finden sich Fundstücke vom Nordseedeich wieder: Ein dicker Holzbalken dient, gehalten von einer schweren Kette, als Garderobe im Eingangsbereich. Einfaches Prinzip, aber effektiv und gekonnt umgesetzt. Oder, wie Klaus Augustin es ausdrückt: „Man muss nur kreativ sein!“

Die Umgestaltung des Hauses betrachtet Klaus Augustin inzwischen als abgeschlossen. „Fertig“ ist er dennoch lange nicht, denn es gilt immer irgendetwas nachzubessern oder wieder instand zu setzen. Doch diese Arbeit geht er ganz entspannt an. „Nur keine Hektik aufkommen lassen“, so das Motto des Künstlers. „Hektik hatte ich genug in Hamburg!“ In Sarzbüttel hat er seine Ruhe gefunden.

Bericht „fabelhaft“ 01/2015